Autismus- die Möglichkeiten im Unmöglichen

Frühkindlicher Autismus: Symptome oder Kanner Syndrom (österr. Arzt)

– Schwierigkeiten in der sozialen Kommunikation
– Probleme in der sozialen Interaktion
– Schwierigkeiten im sozialen Verständnis
– eine ungewöhnliche Wahrnehmungsverarbeitung
– repetitives Verhalten
– ungewöhnliche Denkweisen und Lösungsansätze
– intensive Interessen
– ein Bedürfnis nach Beständigkeit

Autismus hat viele Facetten. So wie wir alle unterschiedlich sind, sind Menschen mit Autismus es natürlich auch und doch haben sie eines gemeinsam – Sie sind „Anders“! In unserer Welt herrscht immer noch die Ansicht, dass „Anders“ nicht gut ist oder dass es mit Problemen behaftet ist, wenn man nicht der Norm entspricht.

Ist JETZT die Zeit dies zu hinterfragen?

Ich erinnere mich an die Frustration, nicht sprechen zu können.
Ich wusste, was ich sagen wollte, aber ich konnte die Worte nicht herausbekommen, also habe ich geschrien.

Temple Grandin

Was, wenn es gar nicht darum ginge, Autisten dazu zu bringen unsere Sprache zu sprechen, sondern WIR einfach IHRE Sprache lernen? Gäbe es dann immer noch Schwierigkeiten in der Kommunikation?

Autisten sprechen! Aber anders! Zu sagen, dass Autisten eine Schwäche in der Kommunikationsfähigkeit haben, ist so als würde man sagen, dass die Natur nicht kommuniziert. Wir haben es uns zur Gewohnheit gemacht, Kommunikation ausschließlich mit verbaler und nonverbaler Verständigung zu definieren. Kommunikation ist jedoch wissenschaftlich erwiesen so viel mehr.

Was wir von Autisten lernen können, ist die direkte Verständigung oder auch Ursprungskommunikation. „Normale Menschen“ hören durch den Filter ihrer eignen Gedanken und Gefühle. Sie interpretieren, was gesagt wird. Autisten hingegen nehmen wahr was ist. Sie hören, was gesagt wird, sie spüren was gemeint ist und sind oft überwältigt von der Inkongruenz vieler Informationen. Genügend Menschen sagen etwas und meinen etwas ganz anderes. Das ist verwirrend für Autisten, da sie eine sehr ausgeprägte sensorische Disposition haben, was bedeutet, dass sie extrem feinfühlig sind. Es ist sehr entspannend für Autisten, wenn man ihnen klare Informationen gibt. Somit wissen sie, was man von ihnen möchte. Sie sind fantastische Lehrer für uns, klar und deutlich zu kommunizieren. So ist auch die Sprache in Bildern etwas, das Autisten sehr gut beherrschen. Diese Art von Kommunikation ist viel schneller als die gesprochene Sprache. Viele von ihnen sind frustriert, wenn man sie dazu zwingt zu sprechen, da sie aus ihrer Perspektive ja sowieso die ganze Zeit mit Bildern kommunizieren und das viel weniger Zeit in Anspruch nimmt.

Autisten haben eine andere Art die Welt wahrzunehmen. Das Gedanken- und Gefühls-Wirrwarr, das wir Psyche nennen, macht für Autisten keinen Sinn. Warum fühlen, wenn man einfach „sein“ kann. Nicht von Gefühlen oder Emotionen geprägt zu sein, heißt auch keinen Filter zu haben zwischen einem selbst und der Welt. Es entsteht eine direkte Wahrnehmung und diese kann sehr intensiv und überwältigend sein. Damit umzugehen erfordert Strategien. Diese haben Autisten oft nicht gelernt und greifen dann zu destruktiven Strategien, um nicht so viel wahrzunehmen bzw. um nicht überwältigt zu werden, z.B. schreien, Kopf gegen die Wand, repetitives Verhalten, usw.

Direkte Wahrnehmung und zu lernen damit umzugehen, heißt auch, dass man Möglichkeiten sieht, die andere nicht sehen können. Mit anderen Worten, man hat mit dieser Art Wahrnehmung eine Schatzkiste an Informationen. Temple Grandin (www.templegrandin.com) wurde mit ihrem Autismus Dozentin für Tierwissenschaften an der Colorado State University und fand eine revolutionäre Art, den Bau von Viehhaltungs- und Transportanlagen zu konstruieren.

Was, wenn diese andere Art die Welt zu sehen und mit ihr umzugehen, gar kein Mangel und auch kein Problem wäre? Wenn wir nicht die Ansicht hätten, dass diese Menschen so sein müssen wie wir es „normal“ nennen, und wir sogar von ihnen lernen können – wie sehr würde das unsere Welt bereichern?

Wenn wir über unsere bisherige Realität hinausgehen, sehen wir Möglichkeiten in Dingen, die zuvor noch undenkbar gewesen sind!

Susanna Mittermaier ist Psychologin und Psychotherapeutin, geboren in Wien und ausgebildet an der Universität Lund in Schweden, weltweit tätige Referentin, Begründerin der Pragmatischen Psychologie und Autorin des internationalen Bestsellers, Pragmatic Psychology – Practical Tools for Being Crazy Happy“ mittlerweile auf Deutsch, Italienisch, Französisch und Chinesisch übersetzt. Nach jahrelanger Tätigkeit als Psychologin an der Universitätsklinik in Lund in der Abteilung für psychische Störungen, eröffnete sich ihr eine neue Welt: Mehr und mehr wurde Susanna Mittermaier klar, dass hinter den Diagnosen und damit hinter den vermeintlichen Unzulänglichkeiten der Menschen tatsächlich Fähigkeiten stecken.

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